© Sektion Mainburg des Deutschen Alpenvereins (DAV) e.V.

Felsklettern am Grünstein Massiv in den Mieminger Berge

Karl Brunner & Manfred König

22.08.2026

Während der Corona Zeit haben ambitionierte Kletterer aus Südwestwestbayern und Innsbruck dort ein neues Klettergebiet erschlossen. Semi-Alpin nennt man aktuell diese Erschließungen.

Vom Marienbergjoch 1800m gelangt man in einer guten Stunde zu den Einstiegen der Südwände der Grünsteintürme auf 2200m. Auf das Joch gelangt man am Besten mit dem Fahrrad von Biberwier oder Obsteig oder mit dem Sessellift von Biberwier aus. (auch Fahrradmitnahme)

Seit langem liebäugeln wir mit dem Südwestgrat auf den 3. Grünsteinturm 2470m. Es ist die leichteste Route im Gebiet. Schwierigkeitsgrad V. Kletterlänge ca. 400m. Wandhöhe 270m. Mit Bohrhaken ausgerüstet.

 

Am Samstag, den 22.August 2026 stellten wir um 10 Uhr die E-Bikes am Holzzaun des Marinebergjoches ab und waren etwas enttäuscht über die langsame Wetterbesserung. Es hatte 7 Grad, und Schauerwolken zogen umher. Nicht gerade einladend für einen Klettertag.

Die SW-Ausrichtung der Türme am Westsockel des Grünsteins ließen uns nach dem gestrigen Regentag auf eine schnelle Abtrocknung der Felsen hoffen. Der Wind bläßt üblicherweise vom Inntal über den westliche Felsensockel des Grünsteins in das Ehrwalder Becken. Und so war es auch!

Die Temperatur für den Supersommer 2026 war hier aktuell ernüchternd.

Wir gingen gleich los in Richtung Hölltörl. Kurz unterhalb des Törls zweigten Steigspuren links in eine Geröll/Schrofen Rinne ab, die zu den Südwänden hoch führte. Wir machten Materialdepot, zogen uns um, und froren während der Brotzeit . Mit den ersten Sonnenstrahlen starteten wir (Gisela Weiherer und Karl Brunner) um Punkt 12 Uhr in den waagerechten Einstieg, der zum Grat des ersten Turmes führt. Dort trafen wir gleich auf die erste schwierige Stelle. Glücklicherweise war diese sehr gut mit Bohrhaken abgesichert.

Der weitere Routenverlauf ist ausgesprochen gut, Seillänge für Seillänge, beschrieben und bebildert in dem Bericht von Alpartig: https://alpartig.com/gruenstein-suedwestgrat-v/

 

Kurzfassung:

  • Zum ersten Turm klettert man in 3 SL. Eine Stelle V, gleich am Einstieg, sonst deutlich leichter.
  • Dann eine 50m SL mit kurzer Abkletterpassage III und flaches Gehgelände zum Standplatz am Fuße des zweiten Turms.
  • In 2 SL auf den 2.Turm. Ziemlich durchgehend V. Besonders diese zwei Seillängen erfordern viel Gespür für einen geraden Seilverlauf bezüglich Seilreibung. (Sehr lange Alpin Exen in der 4. SL. In der 5. SL. gibt es eine kleine, hinterfotzige, abwärtsgeschichtete Schuppe am Grat bei der sich die Seile bei einem kurzen Ab-und Wiederaufstieg vor einer Spreizstelle einklemmen können).
  • Es folgt der Übergang zum 3. Turm. Eine kurze Abkletterstelle III, dann brüchig waagerecht und über Geröll zum Stand ca. 20m über dem Wandfuß auf der linken Seite des Turms. 50M III.
  • Am 3. Turm wurde es deutlich alpiner. Weniger Bohrhaken, die Felsqualität nicht mehr so kompakt. In 3 SL IV-V, je nach Linie an der Kante würde ich sagen.

Wir hatten leider den ganzen Tag den kalten Wind im Gesicht, und so wurde es an den Standplätzen immer ziemlich zapfig. Unseren Zeitplan konnten wir nicht ganz einhalten. (4 Stunden bis zum 3. Turm, dann 2 Std. abseilen war geplant) Wir stiegen um 12 Uhr ein und waren um 19 Uhr wieder am Rucksack Depot. Statt 4 Std. benötigten wir 5 Std. für die Kletterei zum 3. Turm. Getrödelt hatten wir nicht. Einmal Trink- und Pinkelpause und einmal ein Seilklemmer, der uns ca. 15 Min. kostete.

Für die 270 m Abseilpiste benötigt man leider ein 60m Doppelseil. Denkbar ungünstig viel Seil für eine Kantenkletterei. Auf die Seilreibung sollte man deshalb bei den überwiegend langen Seillängen im Aufstieg akribisch achten.

Auf dem 3. Turm war eine kleine Madonna aufgemauert. Südseitig, 30 cm unterhalb, befand sich die erste Abseilstelle. Vorbildlich: Eine Kette mit Schnappkarabiner. So auch an allen folgenden Abseilstellen in der Südwand. In der 4. Abseilstelle sollte man die Rinne linksseitig (Osten) abseilen, dann trifft man ohne Pendeleinlage direkt auf die letzte Abseilstelle.

Ausrüstungsempfehlung:

3 Keile o. Klemmer für 1-3cm Breite, 1 Klemmer für 3-4 cm Breite. Wir hatten ein kleines Sortiment dabei und auch eingesetzt.
4 Normale Exen, 4 Alpin Exen bis 120cm. Bandschlingen 120 cm für Köpfl an den kurzen Passagen an der Gratschneide.

 

Die Tour bietet Abenteuer und Genuss mit begrenztem Risiko in einer hochalpinen Umgebung. Die Bohrhakendichte nimmt nach oben hin ab.

Man könnte von jedem der drei Türme nach Süden abseilend abbrechen. Eine unbekannte Abseilpiste bereitet immer ein gewisses Kribbeln im Bauch! Wir waren an diesem Samstag alleine im gesamten Gebiet.

Wegen unserer kalten Finger und Füße an diesem Tag kennzeichnen wir die siebenstündige Kletterei als „Alpine Klettertour“.

Unserer Meinung nach ist diese Tour trotz der moderaten Schwierigkeit ungeeignet für Einsteiger ins Alpinklettern.